Die acht Inhaltsstoffe: Herkunft, Chemie, Forschungsstand
Eine Rezeptur lässt sich auf zwei Arten beschreiben: über das, was man sich von ihr verspricht — oder über das, was zu ihren Bestandteilen tatsächlich bekannt ist. Diese Seite nimmt den zweiten Weg. Sie geht die acht Stoffe durch, die in einer Tablette V-Rex stecken, mit den Mengen vom Etikett: woher sie kommen, welche Chemie dahintersteht und was zur Aufnahme im Körper untersucht ist. Welcher rechtliche Status für welchen Stoff gilt, steht gesammelt am Ende.
L-Arginin (200 mg): die Aminosäure, die der Darm zuerst abfängt
Ernst Schulze und Ernst Steiger isolierten Arginin 1886 aus Lupinenkeimlingen. Der Name geht auf das griechische árgyros, Silber, zurück — die Substanz fiel damals als Silbersalz an. Arginin gilt als semi-essenziell: Der erwachsene Körper stellt es im Harnstoffzyklus selbst her, deckt einen Teil des Bedarfs aber über die Nahrung. Kürbiskerne, Erdnüsse, Hülsenfrüchte.
Pharmakokinetisch ist Arginin ein interessanter Fall, weil ein großer Teil einer oralen Dosis den Blutkreislauf nie erreicht. Das Enzym Arginase in den Darmzellen und in der Leber baut es ab, noch bevor es dort ankommt. In einer Crossover-Studie mit zehn gesunden Freiwilligen lag die absolute Bioverfügbarkeit nach einer einmaligen oralen Gabe von 10 g bei etwa 20 %; die höchste Plasmakonzentration wurde eine Stunde nach der Einnahme gemessen (Tangphao et al. (British Journal of Clinical Pharmacology, 1999)).
Tribulus terrestris (150 mg, 15:1): dieselbe Pflanze, andere Chemie
Der Erd-Burzeldorn gehört zur Familie der Jochblattgewächse. Sein Gattungsname stammt vom griechischen tríbolos — Stachelfrucht, was jeder bestätigen wird, der barfuß darauf getreten ist. Die Pflanze wächst auf trockenen Böden Südeuropas, Nordafrikas und Südasiens; ihre Früchte sind in der traditionellen chinesischen Medizin, im Ayurveda und in der bulgarischen Volksmedizin gleichermaßen dokumentiert.
Chemisch ist die Art gut untersucht: Über hundert Steroidsaponine wurden bislang isoliert, aufgeteilt in Spirostanol- und Furostanol-Typen, dazu Flavonoide, Tannine und Alkaloide. Als Leitsubstanz gilt Protodioscin. Die Zusammensetzung hängt dabei stark vom Herkunftsort ab: In Proben aus Bulgarien, Griechenland, der Türkei, Nordmazedonien, Serbien und dem Iran ließ sich Prototribestin nachweisen; in Material aus Vietnam und Indien fehlte Protodioscin ganz (Ștefănescu et al. (Biomolecules, 2020)). Für einen Extrakt heißt das: Die botanische Bezeichnung allein sagt wenig. Erst die Chargenanalyse zeigt, was tatsächlich drin ist.
Koreanischer Ginseng (50 mg, 35:1): was der Darm aus Ginsenosiden macht
Panax leitet sich vom griechischen panakés ab, „allheilend“ — ein Name, den der russische Botaniker Carl Anton von Meyer im 19. Jahrhundert vergab und der mehr über die Erwartungen seiner Zeit verrät als über die heutige Datenlage. Die Wurzel bleibt vier bis sechs Jahre im Boden, bevor sie geerntet wird; in Korea wird sie seit Jahrhunderten planmäßig angebaut.
Die charakteristischen Inhaltsstoffe sind die Ginsenoside, eine Gruppe triterpenoider Saponine. Spannend wird es bei der Verstoffwechselung: Die meisten natürlich vorkommenden Ginsenoside werden erst von Darmbakterien im Dickdarm deglykosyliert, bevor die entstehenden Metaboliten — allen voran Compound K — aufgenommen werden. Dieselbe Dosis führt deshalb je nach Zusammensetzung der Darmflora zu unterschiedlichen Blutspiegeln. Eine Übersichtsarbeit zu Arzneimittelinteraktionen ordnet die klinische Datenlage als uneinheitlich und insgesamt schwach ein, empfiehlt aber ausdrücklich eine sorgfältige ärztliche Überwachung bei gleichzeitiger Einnahme von Warfarin sowie von CYP3A- und P-Glykoprotein-Substraten mit enger therapeutischer Breite (Ramanathan & Penzak (European Journal of Drug Metabolism and Pharmacokinetics, 2017)). Darauf beruht der Hinweis auf der Produktseite zu Blutverdünnern, Diabetesmedikamenten und MAO-Hemmern.
Maca (10 mg, 10:1): warum die Trocknung über den Inhalt entscheidet
Maca ist ein Kreuzblütler — botanisch also mit Radieschen und Kresse verwandt. Die Pflanze wächst in den peruanischen Anden, auf 3.800 bis 4.500 Metern. Ihre charakteristischen Verbindungen heißen Macamide — Fettsäureamide, die es in dieser Form in kaum einer anderen Pflanze gibt.
Das Aufschlussreiche daran: Macamide stecken nicht in der frischen Knolle. Sie entstehen erst während der traditionellen Trocknung. In neunwöchigen Feldversuchen auf 4.200 Metern schlossen die Frost-Tau-Zyklen im Freien das Gewebe auf und setzten freie Fettsäuren bis zu 1.200 µg/g Trockengewicht frei; aus dem Abbau der Glucosinolate entstand Benzylamin in Mengen bis 4.300 µg/g. Beide Vorstufen korrelierten eng mit der Macamid-Bildung (r = 0,934 bzw. 0,898) (Esparza et al. (Phytochemistry, 2015)). Ein jahrhundertealtes Trocknungsverfahren erweist sich damit als chemischer Prozessschritt.
Zink (15 mg, 150 % NRV): ein Metall ohne Lager
Der Körper legt keine nennenswerten Zinkvorräte an. Nachschub muss deshalb laufend kommen. Strukturell sitzt Zink vor allem in den Zinkfinger-Proteinen — einer Klasse von Transkriptionsfaktoren, zu der auch der Androgenrezeptor gehört.
Eine systematische Übersichtsarbeit wertete 38 Arbeiten aus, davon acht klinische Studien am Menschen und 30 Tierstudien. Sie beschrieb einen positiven Zusammenhang zwischen Serumzink und Gesamttestosteron, dessen Ausmaß allerdings stark von Ausgangswerten, Zinkverbindung, Dosis und Dauer abhängt (Te et al. (Journal of Trace Elements in Medicine and Biology, 2023)).
Zur Einordnung der Menge: Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6,5 mg Zink pro Tagesdosis vor. Die 15 mg in V-Rex liegen darüber — deshalb der Hinweis, parallel keine weiteren zinkhaltigen Präparate einzunehmen.
Vitamin B6 (2 mg, 143 % NRV): das Coenzym mit dem breiten Zuständigkeitsbereich
Pyridoxin ist die Vorstufe; die eigentliche Arbeitsform heißt Pyridoxal-5′-Phosphat. Dieses Coenzym ist an über hundert enzymatischen Reaktionen beteiligt, überwiegend im Aminosäurestoffwechsel: Transaminasen, Decarboxylasen, Racemasen. Kaum ein anderes wasserlösliches Vitamin ist an so vielen unterschiedlichen Reaktionen beteiligt.
Folsäure (400 µg, 200 % NRV): der Umweg über zwei Enzyme
Folsäure ist die synthetische Form und im Körper zunächst inaktiv. Sie wird von der Dihydrofolat-Reduktase zu Tetrahydrofolat reduziert und anschließend von der Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR) in 5-Methyltetrahydrofolat umgewandelt — die Form, die im Blut zirkuliert. Die häufige Genvariante C677T führt zu einer thermolabilen Form des Enzyms, deren Aktivität im Labor deutlich niedriger liegt.
Und noch eine Zahl zum Vergleich: Das BfR empfiehlt für Folsäure in Nahrungsergänzungsmitteln höchstens 200 µg pro Tagesdosis.
Vitamin B12 (5 µg, 200 % NRV): warum die Prozentzahl täuscht
B12 wird nicht einfach resorbiert, sondern mithilfe des Intrinsic Factor über Cubilin-Rezeptoren im Krummdarm aufgenommen — ein Weg mit begrenzter Kapazität. Eine Crossover-Studie mit [¹³C]-Cyanocobalamin an neun gesunden Erwachsenen zeigte, wie stark die relative Bioverfügbarkeit mit steigender Dosis fällt: 50,9 % bei 2,5 µg, 26,7 % bei 5 µg und 15,4 % bei 10 µg. In absoluten Zahlen kamen dabei jeweils nur rund 1,2 bis 1,4 µg an (Kashyap et al. (Nutrients, 2024)).
200 % NRV auf dem Etikett bedeuten deshalb nicht 200 % im Blut. Die Dosierung über dem Referenzwert folgt der Sättigungskinetik — nicht dem Wunsch nach einer großen Zahl.
Wo die zugelassenen Aussagen aufhören
Für Zink, Vitamin B6, Folat und Vitamin B12 gibt es im EU-Register zugelassene gesundheitsbezogene Angaben. Drei davon werden für V-Rex verwendet, im vorgeschriebenen Wortlaut:
- „Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei.“
- „Vitamin B12 trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei.“
- „Vitamin B6 trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.“
Für L-Arginin, Tribulus terrestris, koreanischen Ginseng und Maca gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe; die Anträge zu Pflanzenstoffen ruhen seit 2010. Alles, was oben zu diesen vier Stoffen steht, ist deshalb rein beschreibend: Botanik, Herkunft, Chemie, Verarbeitung, Aufnahme im Körper. Eine Wirkung auf den Körper wird für sie nicht behauptet und lässt sich aus den zitierten Arbeiten auch nicht ableiten.
ℹ️ Zwei Einschränkungen: Die zitierten Untersuchungen wurden an den einzelnen Substanzen durchgeführt, nicht an V-Rex — eine klinische Studie zum fertigen Produkt gibt es nicht. Und die Dosierungen in den Studien weichen teils erheblich von der Tagesdosis ab, bei L-Arginin am deutlichsten.
Wer Medikamente nimmt oder eine Erkrankung hat, sollte die Einnahme vorher ärztlich abklären lassen; die konkreten Punkte dazu stehen auf der V-Rex Produktseite. Alle hier verlinkten Quellen sind vor Veröffentlichung auf PubMed gegenzuprüfen.
